IPv6 bei Österreichischen Providern
Wir schreiben (noch) das Jahr 2019, die IPv4 Adressen in Europa gehen zu neige. Es ist also höchste Zeit auf IPv6 umzusteigen, das 1998 standardisiert wurde. Den meisten Kunden ist es leider egal wie sie auf das Internet zugreifen und daher behelfen sich Provider gern mit CGNAT und anderen Grauslichkeiten. Informationen über die IPv6 Unterstützung von Providern ist spärlich, daher versuche ich mich an einer Übersichtstabelle.
Was die Provider den Kunden bieten
Wenn man den IPv6 Traffic von Österreich mit dem von z.B. Deutschland vergleicht – nicht viel. Unter den Nachbarländern haben nur Italien und die Slowakei noch weniger IPv6 Traffic. Deutschland, die Schweiz, Ungarn, Tschechien und Slowenien sind (etwa in dieser Reihenfolge) schon weiter.
LTE
Provider | MVNO | Produkt | v6 möglich | Präfixlänge | statischer Präfix | Stand |
---|---|---|---|---|---|---|
A1 | Yesss | Unlimited | ja | /64 | nein, nicht möglich | 24.10.2019 |
A1 | - | B.free | ja | /64? | ? | 21.11.2019 |
Magenta | HoT | data Unlimited | nein | - | - | 07.11.2019 |
Magenta | - | Internet Flex | ??? | ??? | ??? | 12.11.2019 |
Drei | spusu | - | nein | - | - | 13.11.2019 |
Was die Provider zugeteilt bekommen
Provider bekommen als Mitglied der RIPE eine initiale Zuteilung eines /32er Präfixes, auf Nachfrage (ohne Angabe von Gründen) ein /29. Den Präfix erhält der Provider um ihn sinnvollerweise an seine Kunden weiterzugeben; Bunkern hat keinen Sinn, da der Adressraum riesig ist. Ein /29 kann man wie folgt aufteilen:
Präfixlänge | Anzahl |
---|---|
64 | 34.359.738.368 |
56 | 134.217.728 |
48 | 524.288 |
Jedem Kunden ein /48 zu geben wäre für die meisten Provider zwar möglich, ist aber nicht nötig. Umgekehrt ist es nicht sinnvoll einem Residential Kunden (Wohnhaus, Wohnung) ein /64 zu geben, da man ihn dadurch einschränkt nur ein Netz betreiben zu können. Die Empfehlung der RIPE ein /56 für Endkunden (also nicht Smartphones) bereitzustellen ist auch sinnvoll. Dadurch kann der Kunde 256 eigene Netze betreiben, was für die meisten ausreichen sollte. Wenn A1 seine Adressen also nicht für 137 Milliarden Mobilfunkkunden aufsparen möchte, wäre es durchaus sinnvoll den Kunden /56er Netze bereitzustellen.
Provider | AS-Nummer | Präfix |
---|---|---|
A1 | 8447 | 2001:850::/29 |
A1 | 8447 | 2001:870::/29 |
A1 | 8447 | 2001:890::/29 |
A1 | 8447 | 2001:4bb8::/29 |
Magenta | 8412 | 2001:4bc8::/29 |
Drei | 12635 | 2001:858::/32 |
Drei | 12635 | 2001:938::/32 |
Drei | 12635 | 2a02:2860::/29 |
Drei | 12635 | 2001:4b68::/29 |
Erklärungen
Präfixlänge
Der kleinste Präfix in dem SLAAC (Stateless Address Autoconfiguration) funktioniert ist /64. Wenn man mehrere VLANs betreibt oder komplexere Netzstrukturen hat, benötigt man pro Netz einen /64 Präfix. Die RIPE empfiehlt /48 für Endkunden und billigt /56 als Kompromiss. Ein /56 Netz kann in 256 /64er Netze unterteilt werden (2^(64-56)), ein /48 in 65536 /64er. Eine Übersicht was in den /29er und /32 er Netzen der Provider Platz hat gibt es u.a. hier.
Statischer Präfix
Ist es möglich einen statischen Präfix zu bekommen (analog der statischen IPv4 Adresse). Das hat sowohl Vorteile als auch Nachteile, deshalb sollte man sich das als Kunde aussuchen können.
Ergänzungen
Wenn jemand mehr Infos zu weiteren Providern hat (oder selbst Provider ist), bitte einfach per Mail mitteilen, ich ergänze die Liste dann.